10. November 2011

Deutschlands Methusalem - Rimbacher Landsknecht »Alter Satz« trocken

Im aktuellen Weinbuch "111 deutsche Weine, die man getrunken haben muss" vom Emons Verlag, ist auch unser Alter Satz gelistet. Dies freut uns sehr, bei dieser besonderen Weinauswahl dabei zu sein.


"1835 eröffnete die Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft die erste dampfbetriebene Eisenbahnlinie in Deutschland. Im selben Jahr legte Johann Hufnagel im »Terroir am Rimbach« (heute: Rimbacher Landsknecht), wie es im alten Kirchenbuch nachzulesen ist, einen kleinen Weinberg für seine Familie an. Die Reben haben seitdem unzählige Frostperioden, Trockenjahre und fünf Kriege durchlebt und bringen dennoch kleine, aber sehr wertvolle Trauben hervor. Die Reblaus hat es nie bis zu ihnen geschafft, diese Reben sind echte Überlebenskünstler.


Hufnagel pflanzte nicht nur eine Rebsorte an, sondern gleich 35 verschiedene – von einigen weiß man heute nicht einmal mehr den Namen. So war das damals und bis 1950 in Deutschland üblich. Der Name dieses Weinbaus: Gemischter Satz. Das Nebeneinander von mehreren Rebsorten an einem Standort diente dazu, Ausfälle durch Schlechtwetter, Frost, Fäulnis oder Schädlingsbefall zu kompensieren. Selbst wenn mehrere Rebsorten darunter zu leiden haben, einige eben auch nicht. Nicht umsonst heißt es »Eine Rebsorte ist eine Geige, der Gemischte Satz aber ein Orchester«.


Riesling, Silvaner, Elbling, Muskateller und Traminer sind die Hauptsorten, wobei Otmar und Johannes Zang alle Trauben zeitgleich lesen – wenn der Elbling reif ist. Sie werden auch zusammen angebaut. Nach langem Hefelager und ohne jegliche Schönung wird der Wein dann im Frühjahr auf die Flasche gefüllt. Es macht wenig Sinn, Geschmack und Duft dieses Weines exakt zu beschreiben, denn in jedem Jahrgang fallen diese sehr unterschiedlich aus, denn manchmal wird eine Rebsorte zuerst reif und dominiert, manchmal eine andere. Doch einige Eckpfeiler gibt es: Der Wein ist kräuterwürzig, rassig in der Säure und angenehm herb.


Das ist trinkbare Weingeschichte. Manche Weinsammler bekreuzigen sich, wenn sie einen Wein vom Anfang des 20. Jahrhunderts trinken, ist es nicht eigentlich viel spektakulärer, Wein von fast 200 Jahre alten Reben zu genießen? Eine ungewöhnliche Art der Zeitreise – nämlich eine, die schmeckt."